Einfluss auf das Selbstbild und Identität

Selbstbild und Identität

Die Entwicklung des Selbstbildes, verstanden als Gesamtheit der Vorstellungen, Bewertungen und Wahrnehmungen einer Person über sich selbst, und der eigenen Identität, also dem Bewusstsein darüber wer man ist, welche Werte man vertritt und wie man sich gegenüber seiner Umwelt positioniert, stellt einen zentralen Bestandteil der Jugendphase dar und wird zunehmend durch die Nutzung sozialer Medien beeinflusst, da diese Plattformen neue Möglichkeiten der Selbstdarstellung, des sozialen Vergleichs und der Identitätsfindung bieten.

Jugendliche verhalten sich gegenüber verschiedener Personengruppen wie Freunden, Familie oder Lehrern differenziert. Das digitale Selbstbild wird häufig stärker kontrolliert als das Verhalten im direkten persönlichen Kontakt. Social Media bietet durch seine technischen Strukturen eine besonders intensive Form der Selbstdarstellung. So wählen junge Menschen bewusst aus, welche Bilder, Meinungen oder Interessen sie veröffentlichen und somit auch, welche Aspekte ihrer Persönlichkeit sie preisgeben wollen. Ergo entsteht eine Art kuratierte Version der eigenen Persönlichkeit.

Soziale Medien spielen für die Identitätsbildung junger Menschen eine wichtige Rolle. Nach dem Entwicklungspsychologen Erik H. Erikson befindet sich der Mensch während der Adoleszenz in der Entwicklungsphase „Identität versus Rollendiffusion“. Jugendliche versuchen herauszufinden wer sie sind und welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen möchten. Gerade im Jugendalter beeinflusst die Meinung anderer, vor allem Gleichaltriger, maßgeblich das Verhalten und den Blick auf sich selbst. Jugendliche lernen durch Social Media schnell, welche Inhalte Anerkennung erhalten, hier meist in Form von Likes, Follows und Kommentaren, und passen ihr Verhalten teilweise an Erwartungen an. Dabei ist die Rückmeldung ständig sichtbar, Jugendliche können also immer nachvollziehen, wie andere auf ihre Beiträge reagieren. Dieses Feedback beeinflusst die Wahrnehmung der eigenen Person und trägt dazu bei, dass sich Selbstbild und Identität fortlaufend weiterentwickeln.

Während früher zwischen virtueller und realer Identität unterschieden wurde, geht die Forschung heute davon aus, dass eine Trennung kaum möglich ist, die Identitäten verschmelzen also miteinander. Das digitale Profil wird Teil der tatsächlichen Persönlichkeit und dient als eine Art digitale Visitenkarte. Erfolge und Misserfolge in sozialen Medien wirken sich unweigerlich auf das Selbstwertgefühl aus. Auch soziale Beziehungen werden durch die Darstellung im Internet beeinflusst. Manipuliert werden aber nicht nur Identität und Selbstbild, sondern auch der Blick auf das eigene Aussehen, Leistungen, Besitztümer und das eigene Sozialleben.

Einfluss von sozialen Medien

Soziale Medien sind Räume strategischer Selbstpräsentation und ermöglichen eine bewusste Inszenierung, da Beiträge mehrfach überarbeitet oder gelöscht werden. Jugendliche stehen unter dem Druck, ein möglichst positives Bild von sich zu vermitteln. Das kann dazu führen, dass negative Gefühle oder Probleme verborgen werden.

Man unterscheidet in aktive und passive Nutzung. Aktiv bedeutet das Posten eigener Inhalte, Kommentieren anderer Inhalte und die Kommunikation mit anderem Nutzer, während die passive Nutzung das Scrollen, Beobachten anderer und das Konsumieren von Inhalten beschreibt. Der soziale Vergleich ist ein wichtiger Faktor von Einflüssen. Die intensive Nutzung sozialer Medien fördert diese Vergleichsprozesse. Insbesondere die passive Nutzung hat häufig negative Folge. Der Vergleich des Aussehens, schulischer Leistungen, des sozialen Lebens sowie Urlauben oder materiellen Besitztümern erzeugt bei vielen Jugendlichen den Druck mitzuhalten, denn was sie oft übersehen ist der Fakt, dass meist nur positive Aspekte des Lebens veröffentlicht werden und somit ein völlig verfälschtes, unrealistisches Bild entsteht, dass das eigene Leben oft langweiliger, weniger erfüllt oder weniger erfolgreich wirken lässt.